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║ [Bild] Na denn...                                                   ║
║ Montag,  6. März 2006, 23:56                                   eloi ║
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Na denn...
...HAM
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║ [Bild] Yunck 2                                                      ║
║ Dienstag,  7. Juni 2005, 21:26                                 eloi ║
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Yunck 2
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║ 29. Bizarr (bilingual)                                              ║
║ Samstag, 29. Januar 2005, 00:00                                eloi ║
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I hate the sun woke up
joining my
- - - BIZARRE
Welt. Ich "Spyra" die Musik
                       <-------+
kämpf, kämpf                   |
  Hair Toothbrush              |
                               |  
Dazwischen beleuchtete Boxen --+
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║ 28. Alswie                                                          ║
║ Freitag, 28. Januar 2005, 00:00                                eloi ║
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Aus der Luft gegriffen, sagen sie. An den Haaren herbeigezogen. Schlechte
Metaphern, sage ich. Und stoße auf blinde Ohren, wie ein Karpfen, der noch nie
Weihnachten gefeiert hat.

Wie der Ochs vorm Tor, sagen sie. Wie ein Schwein ins
Uhrwerk. Dabei wissen sie nicht, wie sich ein Nichtschwimmer fühlt, den man ins
Subwoofertiefe Becken des Lebens wirft, sage ich. Wie ein Rapper, der plötzlich
singt, gleich einer Leinenbahn die den Ziegel ersetzen soll.

Doppelt gemoppelt, sagen sie und stoßen damit allmählich wirklich an die Grenze.
Tautologie, sage ich, Pleonasmus. Als hätte jeder von ihnen nur das Wiederholen
gelehrnt, gleich einer zu alten Schellackplatte, die immer an der selben Stelle
wieder, an der selben Stelle wieder, an der selben Stelle, sage ich.

Sie sagen Ordnung ist das halbe Leben, denk auch mal an die Zukunft und mach was
aus deinem Leben, sagen sie. Und ich denke jetzt, und mache einen Schritt vor den
anderen und laufe nicht immer wohin ich will, wie ein Jogger der an seine
Leistungsgrenze kommt und zu torkeln beginnt.

Wie ein blindes Insekt, das seinen Weg findet indem es ihn geht. Und dann ist da
eben eine große Mauer, die man nicht erklettern kann und dann geht man halt
woanders lang. Das ist nicht alles nur eine Frage des "geht nicht, gibts nicht"
und des "Wenn man wirklich will..."-gefasels und des ach so klugen "Träume
nicht Dein Leben..."

Dann ist da eine Mauer und dann muss man sich vorstellen wie es oben ist und wissen
daß man es nie erfahren wird. Und plötzlich, etliche Kilometer weiter findet man
sich an einem Abgrund, auf einem Stein stehend und stellt fesst daß es oben auch
nicht so spitze is und daß man ziemlich schnell wieder fallen kann und dann nimmt
man den Gürtel und hängt sich auf, weil die eigene Altklugheit einen ankotzt und man
nicht besser ist, wie die, über die man lästert. "ALS!"
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║ 27. Irgendwo dazwischen                                             ║
║ Donnerstag, 27. Januar 2005, 00:00                             eloi ║
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Ich bin irgendwo dazwischen
halb hier. halb dort.
Zum Teil arbeitswillig. Aber faul.
Zum Teil clean. Aber nur Vormittags.
Irgendwie verliebt. Ausser manchmal.
Noch nicht eingeschlafen, aber nichtmehr wach.
Ich höre die Musik nicht, nur die Stille, die danach kommt.
Wie ein schwarzer Monitor, der nur durch ausschalten noch schwärzer wird.
Ich trinke, bin aber nicht durstig.
Esse, ohne Hunger zu haben.
Ich bin nicht krank, nicht fit.
Ich fühle mich nur manchmal unwohl.
Nur eine Hälfte ist bei dir.
Und mein Körper ist nicht ohne sie.
Nicht hier, nicht dort.
Irgendwo dazwischen.
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║ 26. Suche (I+II)                                                    ║
║ Mittwoch, 26. Januar 2005, 00:00                               eloi ║
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Suche I


Der Flur ist grün gestrichen. Es riecht leicht nach Reinigungschemie und jede
2. Leutstoffröhre flackert oder ist ganz defekt.

Hinter jeder der Türen ein anderes Zimmer. Andere Menschen darin. Wenn überhaupt.

Im ersten Zimmer Fliesen und in der Mitte ein verstaubter Webstuhl.
An einer der vier kalkweißen Wände das Bild eines Apfels.
Mit einem Schaudern schließe ich die Tür und gehe zum nächsten Zimmer.

Einige Leute scheinen in ein Gespräch vertieft, aber ich kann ihnen nicht
folgen. Auch scheinen sie von mir keinerlei Notitz zu nehmen. Lediglich ein
paar messende Blicke streifen mich. Einigermaßen enttäuscht gehe ich zum
nächsten Zimmer.

Wieder eine kleine Gruppe vertrauensseelig aussehende Menschen. Erst nachdem
ich mich ein paar Stunden an ihren Gesprächen beteiligt hab, fällt mir auf, daß
sie eine ganz andere Sprache sprechen und weder ich sie noch sie mich
verstanden haben. Und wieder einen Augenblick für nichts.

Hinter einer weiteren Tür, ein leeres Zimmer. Ein blauer Teppich, weiße Wände,
eine Uhr. Ich betrete den Raum und setze mich auf den Boden in eine Ecke um
mich zu sammeln. Mit jeder Sekunde bewegt sich nicht nur der Zeiger der Uhr
unaufhaltsam ein Stückchen weiter in Richtung fünf vor zwölf, sondern auch die
Decke sich unmerklich nach unten. Gerade noch rechtzeitig gelange ich wieder
auf den grünen Flur.

In einigen der seltsamen Zimmer sieht es tatsächlich gemütlich aus. Manchmal
liegt viel Staub auf verlassenen Sofas. Manchmal sehe ich eine alte Küche, in
der leise jemand weint. Oder in der ich einen freundlichen Kaffee bekomme, mehr
aber auch nicht. Manchmal stoße ich auf Menschen, in interessante Gespräche
vertieft. Doch es läuft immer wieder darauf hinaus - ich werde ignoriert, nicht
verstanden oder hinausgeprügelt.

Manchmal werde ich auch in ein Zimmer hineingezogen, daß ich am liebsten nie
betreten hätte. Und dort für unbezahlte Stunden festgequatscht, mit Trivialem
gequält und mir wird, an einen Stuhl gefesselt, eimerweise Einheitsbrei
eingezwungen.

Je weiter ich gehe, desto zielloser mein Weg. Es geht immer weiter, von Tür zu
Tür, Zimmer zu Zimmer, Raum zu Halle zu Kammer zu Saal, immer weiter den Flur
entlang, soviel ist klar. Aber was ich suche habe ich schon lange vergessen.
Immer mehr drängt sich mir der Gedanke auf, daß ich nicht passe, auf dem Flur
wohne, zwischen anderen, niemals mit. Wie ein gewaltiges Provisorium.

Die wenigen Räume in denen ich einen Ansatz von Wohlgefühl empfand, sind
mitlerweile unauffindbar oder leergestorben.

Mit jedem vermeintlich schönen Zimmer daß ich erblicke wächst mein Misstrauen.
Zu oft musste ich mich unter einer hervorschnellenden Faust wegducken.
Zutreten, schreien, flüchten. Oder entmutigt, das Gefühl der Deplatzierung
hinnehmend, weitertrotten. Ich gehe dazu über, vor dem Betreten eines Zimmers
stundenlang durchs Schlüsselloch zu spähen, zu lauschen. Bei jedem potentiellen
Aufenthaltsort für die nächsten Stunden meines Lebens verbringe ich mehr Zeit
damit, darüber nachzudenken, ob es gut ist, ob es sich lohnt, ob es mich
bereichert oder mich enttäuscht, als damit, es einfach auszuprobieren.

Trial and Error ist eine tolle Sache, aber irgendwann sind auch die
behorntesten Stellen meines Ichs wund oder taub. Die Vorsicht verhindert nicht
nur weitere Schmerzen und Enttäuschung. Über den Preis dafür darf ich nicht
nachdenken, denn das würde unweigerlich dazu führen, daß ich den Fehler meines
Vorgehens erkenne. Und wenn ich auf die Menge der Türen zurückblicke, an denen
ich lieber lauschte als einzutreten wird mir bewusst, daß ich womöglich etwas
verpasst haben könnte.

Auf dem Weg der Schmerzvermeidung ließ ich das Gefühl der Behaglichkeit zurück.

Suche II


Ich schaue durch das Schlüsselloch einer Tür und sehe ein warmes, orange
gestrichenes Zimmer. Es gibt ein Fenster mit Sonnenschein darin. Ein Sofa mit
Decke. Ein Sessel mit Lehne. Sogar Pflanzen, die weder vertrocknet noch Kakteen
sind. Aber vor allem Dich.

Und nun?

Zögernd hebe ich die Hand, um dann doch nicht zu klopfen.
Warum, frage ich die Vorsicht.
Und die Vorsicht zuckt mit den Schultern, hat sie doch ihr Fehlverhalten längst eingesehen.
Und ich lache mich aus, schüttel den Kopf und gehe, die Tür nicht aus den Augen lassend, vorsichtig weiter.

Und wieder zurück. Hebe wieder zögernd die Hand, um wieder nicht zu klopfen.
Und wieder frage ich die Vorsicht nach dem Grund.
Und wieder kann sie mir keinen nennen.
Und wieder kann ich mir einen abfälligen Kommentar über mich nicht verkneifen.
Wieder gehe ich weiter.
Und kehre zurück.

Und jedes Mal stehe ich mit erhobener Hand vor Deiner Tür.
Und jedes Mal frage ich die Vorsicht, vorvor sie Angst hat.
Und jedes Mal zuckt die Vorsicht mit den Schultern.
Und jedes Mal reagiere ich mit Hohngelächter und sarkastischen Bemerkungen über mich selbst.
Und jedes Mal kann ich wieder nicht klopfen; die Mutlosigkeit lässt meinen Arm sinken und von mal zu mal schwerer werden.

Irgendwann sitze ich auf den Boden neben Deinem Zimmer und hoffe daß du herauskommst.
Ich weiß, daß das nie passiert.
Niemand verlässt freiwillig sein Zimmer.
Und niemand öffnet die Tür, wenn es nicht klopft.
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║ 25. Arsch der Welt                                                  ║
║ Dienstag, 25. Januar 2005, 00:00                               eloi ║
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Blanker Stahl,
kunstvoll verflochten,
20m hoch. Rostfrei.
Betreten bei Eis oder Gewitter nur erlaubt,
wenn man sich nach dem Ende sehnt.
Wer als letztes unten ist verliert.

Geheuchelte Harmonie.
Bissige Blicke.
Dorf. Arsch der Welt.
Blick zum Horizont: verbaut.

Vier Tage. Sechsundneuzig Stunden. Noch einmal schlafen.
Langeweile. Hass. Genuss.
Ich verstehe mich selbst nur, wenn ich mich ignoriere
oder die Andersartigkeit akzeptiere.

Und hiermit der Beweis,
dass auch die widersprüchlichsten Gedanken das Gleiche fühlen können.
Gebrochene Vorsätze.
Gebrochene Kürbissuppe.
Dreck.
Keine Ruhe, kein Platz für mich.
Nicht einmal am Arsch der Welt.
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║ 24. Karneval in schwarzweiß                                         ║
║ Montag, 24. Januar 2005, 00:00                                 eloi ║
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Heute, am Aschermittwoch, wenn für den Mainstream-pöbel Karneval vorbei ist, feiern WIR Karneval. In schwarzweiß. Weil WIR sowieso alles hassen was bunt ist oder irgendwie mit Farben und/oder Tageslicht zu tun hat. Außerdem haben WIR heute noch einen weiteren Grund zu feiern. Eine von UNS hat Geburtstag. Und zu diesen Anlässen haben WIR UNS nun in einer Gruft versammelt und "feiern" den monochromen Karneval. Es gibt strenge Regeln. Wer lacht fliegt ohne Widerrede, unumstößlich und für immer raus. Zuweilen schimmert an der Kleidung irgendwo weiß, aber alle sind natürlich vorwiegend schwarz gekleidet. Selbst das sonst auch übliche sehr dunkle, fast schwarze Rot oder Violett sucht man vergebens. In so einem fast schon grell-bunten Outfit wäre heute auch niemand hereingekommen. Die Beleuchtung ergibt sich ausschließlich aus Grablichtern. Untermalt wird diese "Feier" von seltsamer, durchmischter Musik mit düsteren elektronischen Klängen und manchmal auch mittelalterlichen Instrumenten. Das alles allerdings meist sehr langsam, düster und nicht schnell oder gar ... fröhlich.
Nachdem alle ihre Sitz- und Stehplätze eingenommen haben, hält einer von UNS eine Art Büttenrede. Sie ist so etwa in dem Stil:

"schwarz. ja. schwarz. sind alle meine kleider.
schwarz. ja, schwarz ist alles was ich hab.
darum hasse ich alles bunte: leider
ist die zeit gekommen für mein grab."

Der Tusch ist ein Stückchen aus Mozarts Requiem. Mit den Reimen geht es dann noch eine Weile so weiter. Es kommen oft Worte wie "traurig", "düster", "schwarz", "dunkel", "Tod", "Tränen" und "Blut" vor. Als dann klar ist warum wir alle so böse und traurig sind und Karneval doof ist, kommt noch eine Strophe für das Geburtstagskind

"und schließlich wollte ich euch sagen
eine von UNS hat leid zu tragen
denn heute ist ein dunkler tag
für J naht nun schon bald der sarg

ein jahr weniger in ihrem leben.
ein jahr überstandene qual.
drum werden. WIR UNS. jetzt erheben.
für jeden kommt der tag einmal."

Ein langer Tusch beendet die Rede. M tritt vom Pult zurück und es wird sich noch in der ganzen Gruppe lange über Tod und Verderben ausgetauscht. Ausgetauscht werden im Raum nebenan auch die neusten Gedichte (aus dem Lord-Klo) und der neuste Tratsch (auf dem Lady-Klo). Gegen fünf Uhr morgens ist die Feier zu Ende und alle machen sich auf den Weg, damit sie noch vor der Dämmerung zurück in ihre Särge kommen.
J allerdings geht vorher noch ganz kurz in den Keller und lächelt.
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║ 23. Irgendwo in einer Parallelwelt                                  ║
║ Sonntag, 23. Januar 2005, 00:00                                eloi ║
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Eine Träne gefriert im Sommerregen.
Wie hat sie das gemacht?
Sie hat sich, der Dramatik wegen,
ein Paradoxon ausgedacht.

Und die Träne auf der Wange
verursacht einen blauen Fleck.
Davon wird mir Angst und Bange
hoffentlich taut sie bald weg.

Die Träne schmilzt und tropft nach oben
und das geht nun echt zu weit.
Ich wisch' sie ab und denk verschroben:
Endlich Unverfrorenheit.
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║ 22. Eine Exkursion in die Studentische Su(b/ff)kultur               ║
║ Samstag, 22. Januar 2005, 00:00                                eloi ║
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Es ist ca. 23:00 als ich das prall gefüllte Studentenlokal betrete. Als erstes treffe ich Flo, der, wie zu erwarten, gerade noch so auf einem Stuhl sitzen kann ohne sich festzuhalten und mir erzählt, daß er bereits seit etwa um drei dabei ist, sich die Kante zu geben. Ich bestelle mir ein Becks und setze mich an die Bar. Heute Abend bedienen zwei Studenten. Er sieht aus, als würde er Architektur oder etwas ähnliches studieren und ist definitiv schwul. Sie hat einige wenige Kilo zu viel, die sich auf ihren Hintern und ihr Gesicht verteilen, ist aber irgendwie niedlich, gut gelaunt und erinnert mich ein bisschen an Mary.
Rechts neben mir ein Metal-freak, der offensichtlich alleine hier ist und an einem Köstritzer nippt. Vermutlich nicht sein erstes. Links neben mir auf dem Tresen steht ein Meter Kölsch und davor tummeln sich ständig wechselnde sturzbetrunkene BWL-Studenten. Weiter hinten ein distinguiert wirkender Twen mit grauem Camp-Davis-Kapu der vermutlich Elektrotechnik in einem höheren Semester studiert. Hinter mir latschen ständig alle möglichen Individuen herum, vorrangig Mädchen, Frauen und Tiffies, aber alle mit einem merklichen Grundpegel vom Cuba libre.
Als mein Bier halb leer ist, verabschiedet sich Flo mit schwerer Zunge, weil er "im Arsch" ist, wie er mir mitteilt. Der distinguierte ET'ler bekommt ein neues Alt. Über dieses augenscheinliche Paradoxon nachgrübelnd drehe ich mir eine Zigarette und beobachte, wie einer der BWL-Leute ein Kölsch stürzt. Der Rocker rechts bestellt ein neues Köstritzer und bittet gestikulierend um etwas zu schreiben. Ein ziemlich Übergewichtiger Typ quetscht sich hinter mir vorbei und drückt mir die Tresenkante in den Bauch. Die Kölsch trinkenden BWL-Studenten fangen an "I've been looking for freedom" zu singen. Mary, die gerade Gläser abwäscht, schaut grinsend hoch und bemerkt, daß die Textsicherheit der drei Gröhlenden nicht gerade gut ist. In der Körpermasse weiter hinten taucht ein bekanntes Gesicht auf, verschwindet aber sofort wieder, ohne daß es mich bemerkt. Ist wohl auch nicht so wichtig. Gerade als der distinguierte Elektrotechniker sein nächstes Alt bekommt beendet der Rocker sein Gekritzel und wechselt Geld für den Kippenautomat. Als er aufsteht um Zigaretten zu erstehen spiele ich mit dem Gedanken mir aus seiner liegengelassenen Gauloises-Schachtel eine zu stiebitzen. Ich muss über diese Absicht leise schmunzeln, da er sicherlich keine Zigaretten kaufen würde, wenn sich in der Schachtel noch welche befänden. Die besoffenen BWL-Proleten beginnen eine Art Wettkampf, wer beim Abstellen des Glases auf dem Tresen das lautere Geräusch machen kann. Es kommt gerade mal zu zwei Runden, bis der schwule Architekt eingreift. Das eine Kölsch-Glas sieht von hier aus, als hätte es einen Sprung, aber es ist nur eine Lichtreflexion. Insgeheim hatte ich mich schon gefreut, die ganze Bande rausfliegen zu sehen. Aber Betrunkene sind zahlende Kundschaft und werden deshalb nur im äussersten Notfall hinaus gebeten. Wie um das zu beweisen drängelt sich ein nicht zu der BWL-Gruppe gehörender aber dafür umso unzurechnungsfähigerer Gast an den Tresen und bestellt das billigste kleine Bier, was es hier gibt. Wörtlich. Schon nach der vierten Wiederholung der Bestellung hat Mary verstanden und zapft ihm ein Lübzer. Der Architekt begibt sich aus der sicheren Tresen-Bastion heraus und mischt sich unter's Fußvolk um leere Gläser einzusammeln. Auf seinem Rundweg macht er kurz mit einer Blondine herum, die er offensichtlich kennt. Alles Tarnung.

Der Rocker bestellt sich ein neues Köstritzer und ich ein neues Becks. Das Alt von dem distinguierten Elektrotechnikstudenten ist noch halb voll. Offenbar hatte ich zwischendurch eine Neubestellung von ihm nicht mitbekommen.
Ein mindestens zwei Meter großer Student taumelt vom Eingang her auf den Tresen zu. Er stützt sich an einem Barhocker ab und wühlt aus seiner Hosentasche einen Fünfeuroschein hervor, legt ihn auf den Tresen und fällt hin. Nachdem er sich wieder hochgerappelt hat, streift er die Kapuze ab, zieht sich die Mütze vom Kopf, setzt sie Kapuze wieder auf und legt sich die zusammengefaltete Mütze auf den Kopf. Während er einem der BWL-Prols versucht klar zu machen, daß er ihm ein Bier und einen Wodka bestellen soll versucht er, indem er sich am Tresen festklammert, nicht umzukippen.
Über die Antwort des BWL-Studenten "Nimm erstmal deine Sonnenbrille ab" musste ich beinahe lachen. Aber tatsächlich leistete der Koordinationslose dieser Aufforderung folge und schafft es sogar sich auf den Barhocker zu setzten ohne umzufallen. Hinter mir bricht eine Diskussion über einen besetzten Stuhl los, auf den sich offensichtlich einer der BWL-Typen gesetzt hatte.
Einer der Skat-Spieler am Ecktisch, die ich bisher gar nicht beachtet hatte brüllt plötzlich "SCHACH!" woraufhin ein anderer begeistert "HALMA!" schreit.
Ich trinke den Rest meines Bieres und gehe auf Klo. Schon bevor ich die Treppe hinauf bin und die lärmende Gesellschaft hinter mir lasse, höre ich zwei laute Stimmen die euphorisch Pop- und Hiphop-Lieder aus den Neunzigern gröhlen. Als ich das Klo betrete erkenne ich einen der BWL-Studenten Arm in Arm mit irgend einem anderen Gast am Waschbecken. Ich habe also bei der Miktion sogar musikalische Unterhaltung. Ich hoffe, sie würden vor mir fertig sein.
Weil sie das natürlich nicht sind, passiert das Unvermeidbare. Beim Händewaschen werde ich aufgefordert einzustimmen. Ich verwirre die Beiden mit einem kurzen Exkurs über Wochentage und zwänge mich dann schnell vorbei. Auf dem Weg zurück treffe ich das bekannte Gesicht, lächle kurz im Vorbeigehen und verlasse das Lokal. Beim Hinausgehen bemerke ich noch, wie der Distinguierte ein neues Alt gereicht bekommt und daß auch der Rocker schon nicht mehr da ist.
Auf dem Heimweg sehe ich einen etwa zwei Meter großen Studenten mit Sonnenbrille, Mütze und Kapuze im Schnee schlafen.